„Jesus rief sein JüngerInnen zu sich ….“

Jesus rief seine Jüngerinnen und Jünger zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener;…

Matthäus 20,25.26

Liebe Leserin, lieber Leser,
arme Würstchen, Leute, die immer wieder über ihre eigenen Ansprüche stolpern, Wichte in zu großen Anzügen und Schuhen … Solche sind es, die Jesus provozieren dazu, über Großsein und Kleinsein zu sprechen: Zwei seiner Jünger wünschen sich, die Ersten links und rechts von ihm im Himmel zu sein. Begierig sind sie bereit, dafür seinen Tod zu sterben.
Das werden sie denn auch, sagt Jesus, aber den Platz bestimmt Gott allein – nach seinem Maß.

Tatsächlich gab es irgendwann Christen, die begierig den Märtyrertod suchten, um in der Christenheit -und vor Gott– berühmt zu werden. Man hört die Kritik der jungen Kirche an solchen Ambitionen.

Wirkliche Ambition sollte sein, dem Leben zu dienen, aufopferungsvoll und ohne Glamour, ein Diener und Knecht aller, das sagt Jesus und meint sich als Vorbild.

In der jungen Kirche gab es von daher so etwas wie Verachtung gegenüber den Großtuern in der damaligen Welt. ”Gott stürzt die Mächtigen vom Thron, … ,lässt sie leer ausgehen, erhebt stattdessen die Geringen und füllt sie mit Gnade”. So spricht zum Beispiel die junge Maria.

Im Schrecken dieser Tage, es ist Krieg auf europäischem Boden, lohnt diese Perspektive, denke ich, um sich nicht das Fürchten lehren zu lassen. Gewiss, die, die mit ruhiger Stimme den Frieden bauen wollen, machen nicht so viel Eindruck wie einer, der sich mitten in den Prunk der alten Zaren setzt und Machtmensch spielt. Doch die Fassade wird fallen, und wer wirklich den Menschen dient,
die ihm anvertraut sind, das wird offenbar werden.

Es wäre auch nicht das erste Mal, dass die Hirngespinste der Macht und die himmelstürmenden Bauten samt ihrer Baumeister zu Staub zerfallen beziehungsweise auf dem harten Boden ihrer eigenen Begrenztheit landen.

Gottes Wort von der Liebe wird dann immer noch da sein, und in seinem Spiegel werden die Bedrängten ihre Häupter neu erheben und aufatmen und ihren Weg der Weisheit und Güte fortsetzen. Oder ihr stilles, ohne jede Überhebung gelebtes Leben wieder aufnehmen.

Gebe Gott, dass die Not dieser Tage keine Nahrung bekommt und keinen langen Atem, und dass unsere Welt schnell Genesung findet.

All unsere Gedanken, mit bedacht gewählt, unsere Worte, unser Tun, mögen dem Ziel des Friedens dienen.

All unsere Gebete und Bekenntnisse ebenso.

Mit den beste Wünschen
Ihr/Euer
Christoph Sassenhagen