Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen. Sei stille dem HERRN und warte auf ihn. Er wird dir geben, was dein Herz wünscht.

Psalm 37

Liebe Leserin, lieber Leser,

Aus den Versen 5 bis 7 des 37. Psalms ist diese Strophe als Liedstrophe zusammengesetzt. Das Chorlied singe ich mir seit ich zehn bin, in guten und in bösen Zeiten.

Es geht um Vertrauen, um das Zutrauen, dass Gott uns nicht allein lässt in den Dingen dieses Lebens. Es geht für mich nicht darum, dass ich kriege, was ich mir wünsche, sondern darum, dass ich wünsche, mit Gott und dem Leben nicht auseinanderzufallen.

Wir alle müssen Frustration aushalten, wem sage ich das in diesen Zeiten?! Aber Unglück wird erst daraus, wenn wir das Geschehende nicht zu nehmen wissen, wenn es uns verschlingt und wir vergessen, dass wir mehr sind als die Umstände, in denen wir stecken und mehr haben als was wir uns erarbeiten können. Leben, Gesundheit, Menschen, denen wir vertrauen, einen Gott, der nicht gleichgültig ist … was noch? Das wissen Sie selbst für sich besser, als ich es Ihnen sagen könnte.

WAS BRAUCHST DU? – Das ist das Motto unseres Kirchenkreises in diesem Jahr, und ich kann mir vorstellen, dass viele bei dem vielen Verzicht, den wir üben müssen, sprachlos bleiben. „So viele Worte habe ich gar nicht“, sagte mir mal jemand, den ich ähnlich fragte.

WAS TRÄGT DICH? – Das ist vielleicht die Frage, die uns derzeit weiter führt, die uns nachdenken lässt, dann lächeln, dann ruhig werden, erzählen, innerlich mal wieder uns reich fühlen lässt.

Wir brauchen Atempausen jetzt, nach all den Monaten der Pandemie.

Endlich wieder Abendmahl feiern zu können, am gedeckten Tisch Jesu, das ist so etwas.

In Gemeinschaft, in der wir uns in die Gesichter sehen, zu beten miteinander, zu singen, wenn auch unter der Maske, heiliges Wort zu hören und zu teilen, das ist so etwas

Das tut gut.

Und es ist ein Anfang von mehr. Noch über die Straße weg aber immerhin wieder gibt es immer mehr Gespräche. Wir halten an, wir fragen nach, wie es dem andern geht. Wir stöhnen zusammen, lachen zusammen, hoffen zusammen.

Freunde fallen uns wieder ein, die sich zurückgezogen hatten, mit gutem Grund und wie wir selber auch. Bekannte, die hinter unseren Horizont gesunken waren, werden wieder präsent.

Zu viel ist längst noch nicht ausgeheilt, manches wird nie wieder gut.

Aber etwas trägt uns. Es lässt neue Wirklichkeit werden. Es kommt.

Die Grenze zwischen Ängstlichkeit und Vorsicht finden wir noch nicht gleich, die zwischen Zuversicht und Leichtfertigkeit auch nicht, aber es wird.

Stille sein und warten, hoffen und vertrauen, das war immer und ist auch jetzt ein guter Weg.

Gesegnete Weihnachten Euch und Ihnen allen!
Ihr
Christoph Sassenhagen