Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

2. Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth 13,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

so und ähnlich hat der Apostel Paulus seine Leute gegrüßt, wenn er ihnen seine Briefe schrieb: nach Rom, nach Korinth, nach Ephesus, in die mittlere Türkei, … und immer ging es weiter mit seinem Dank an Gott dafür, dass es sie, seine Glaubensschwestern und -brüder gab.

Er hatte kein lustiges Leben, dieser Paulus. Er saß oft im Kerker, weil seine Botschaft den Leuten nicht passte, er wurde ausgepeitscht, gesteinigt … ein paarmal hielten seine Leute ihn für tot und trugen ihn vom Platz um ihn zu bestatten, und dann war da doch noch ein letzter kleiner Lebensfunke in ihm, und er erholte sich. Der Mann muss ausgesehen haben wie ein Boxer oder wie einer, den ein Zug gerammt hatte – nur gab es die damals ja noch nicht. Paulus hat sich auch mit Epilepsie herumgeschlagen, auch da war er oft dem Tod sehr nah. Doch er hat sich nie beschwert über all das; er hat es angenommen als sein persönliches „Kreuz“, seinen Part an Lebenslast, wie auch Jesus sein Schicksal angenommen hatte, selbst am Kreuz noch.

Würden Sie mit ihm tauschen wollen, jetzt, da Sie dies hier lesen? Und wenn nicht, heißt das, dass Sie, weil es Ihnen besser geht als diesem Paulus, deshalb fröhlicher, dankbarer, glücklicher sind? Ich wünsche es Ihnen von Herzen!

Was wir sehen derzeit, das ist, wie wir auf Coronazahlen und Coronaregeln starren wie das Kaninchen auf die Schlange. Leben scheint da manchem kaum möglich, und manche möchte lieber sterben als so leben zu müssen … so sagen sie.

Was macht den Unterschied zwischen diesem Paulus und uns? 
Ich denke, er sah Licht in der Finsternis, er sah diesen Gott, der sich in die Armut unserer Welt geworfen hat, in die elende Krippe in Bethlehem, in den Bürgerkrieg und den Kindermord damals, in den Hass und den Zweifel. Er sah diesen Gott, der uns nicht aufgibt und nicht hängen lässt, der bereit ist, sich mit uns zu quälen, damit wir ankommen im Licht.

Wir feiern, liebe Leserin, lieber Leser,  Weihnachten anders in diesem Jahr, armselig, werden Sie vielleicht sagen. Zugleich aber feiern wir es eigentlich echter so, mehr wie im Stall. Und in diesem Stall ist ja für uns alle diese anrührende Nähe, dieses Strahlen des zerbrechlichen Kindes, das in der Begegnung mit uns gar keine Zeit hat, sich zu beklagen. Viel zu kostbar ist das „Wir“ dieser Begegnung.
Wo wir getrennt bleiben dieses Jahr, wo wir den fröhlichen Flitter gemeinsamer Stunden entbehren, da haben wir dennoch die Wahl, ob zwischen uns frustrierte Leere sein soll, oder ob wir die Distanz füllen mit Herzensnähe, mit innerer Verbundenheit, mit stillem Aneinander-Denken.

Paulus hat Briefe geschrieben: „Ich danke Gott, dass es Euch gibt, ich freue mich an Euch, ich schicke Euch meine Liebe!“
Menschen wissen, dass es abgesehen von der Bedrängnis etwas gibt, das sie aufrecht hält, etwas, das sie liebevoll macht und dankbar für das, was ist – mehr als dass das, was nicht ist, sie unglücklich machen kann. Dieses „Etwas“ steckt in Weihnachten, steckt in jedem guten Wort, es steckt in dieser heiligen Zeit. Heben Sie diesen Schatz, und lassen Sie sich nicht beirren.
Das Kind in der Krippe wird später einmal sagen: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid ganz ruhig: Ich habe die Welt überwunden“. Das fing schon in der Krippe an. Seither ist unser Weg zum Licht frei. Wir müssen ihn nur gehen. 

Gesegnete Weihnachten Euch und Ihnen allen!
Ihr/Euer
Ch. Sassenhagen