Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis des HERRN und der Ehrfurcht.
Jesaja 11,1
Liebe Leserin , lieber Leser,
eines der bekanntesten Weihnachtslieder ist wohl „Es ist ein Ros entsprungen“, … „aus einer Wurzel zart…“, so geht es weiter. Das Lied ist inspiriert von den Worten des Propheten, die wir oben lesen.
Ein hübsches Bild, das mit der Rose mitten im Winter. Oder auch nicht … Eigentlich spricht Jesaja vorher davon, dass der Lebensbaum des Gottesvolkes, verwuchert wie er ist, zurückgeschnitten wird auf den Stamm. Mit der Axt geht es zu, und wenig bleibt übrig. Aus dem Stubben aber treibt ein „Reis“, ein junger Trieb aus, der wieder ein Baum zu werden verspricht.
Das mittelalterliche Lied hat aus dem „Reis“ die „Rose“ gemacht und damit Maria gemeint, die dann eine Blüte hervorbringt, Jesus. Und er ist ja, sagen wir, tatsächlich das Leben in voller Blüte – ohne dass man übrigens irgendeinen Glamour an ihm sehen konnte.
Bei Jesaja aber geht es um ein „booten“ der florierenden und dann verkommenden Geschichte Israels. Das Betriebssystem wird neu aufgespielt, damit das Virus wegkommt – aber etliche Dateien gehen dabei eben auch verloren.
Unsere Zeit könnte auch so eine Zeit sein. Alles Gute ist uns so selbstverständlich geworden, wir haben gelangweilt, im Überfluss gebadet, dass es aber anderswo auf der Welt anders zuging, haben wir liebend gern übersehen. Jetzt ist es anders.
Anders ist es auch für die Kirche: Beim PastorInnennachwuchs gibt es Mangel, für viele ist die Kirche überflüssig, ihre Ideale nutzlos für die Jetztzeit. Und das merkt man unserer Zeit auch an: Zynismus, Kopflosigkeit, Verrat an den Schwächeren, grassierende Unwahrheit …
Jedenfalls steht unsere Kirche vor neuen Realitäten. Bis zum November 2026 muss unsere Region zu Beschlüssen kommen, z. B. darüber, wo die drei (bisher fünf) PastorInnen der Region wohnen sollen, welche Gebäude aufgegeben werden, wie viele Gottesdienste stattfinden … Das war erstmal ein Schreck, aber langsam merkt man, dass ein neuer Blick auch Klarheit bringt, neue, kraftvolle Anfänge. Unsere Kirche wird nicht mehr wie ein Supermarkt funktionieren, in dem man sich bei Gelegenheit abholt, was man braucht. Sie kehrt zu dem zurück, was sie eigentlich schon immer ist, nämlich ein Mitmach- und Mitlebeforum. Ohne Sie und Dich wird sie ein Schößling ohne Blüte bleiben, mit allen zusammen wird sie ein rauschender Rosenbusch. Also!
In der Krise, sagt man, ist die Kirche immer am besten. Das hat sich zuletzt bewahrheitet nach dem sogenannten Zusammenbruch. Sie war die Kraft, die Versöhnung ermöglichte, Aushalten beieinander, die Kraft, die Vergebung und Sühne auf den Weg brachte … und sie hat geholfen, dass Menschen die neue Situation annehmen konnten.
Es wird ein neues Blühen geben – das ist die Verheißung. An der Krippe stehend, können wir das glauben. In diesem Sinne wünschen wir allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.
Ihr/Euer
Christoph Sassenhagen
Liebe Gemeinde,
seit dieser Ausgabe erscheint unser Kirchengemeindebrief für jeweils vier Monate – somit also nur noch dreimal im Jahr.
Diese Änderung wurde aus zeitlichen Gründen und zur Kostenersparnis notwendig.
Sabine Niedermanner, Kirchengemeinderatsvorsitzende