Hausandachten für die Karwoche

Liebe Leserin, lieber Leser,
wie im vergangenen Jahr sind die meisten Anlässe der Karwoche der häuslichen Andacht vorbehalten. Um in den eigenen vier Wänden für sich oder im kleinen Kreis solche Andacht halten zu können, finden Sie hier einfache Lesetexte und Gestaltungsideen, um Gründonnerstag und Karfreitag. Für den Ostersonntag laden wir Sie zu zwei Gottesdiensten, um 9:00 und um 11:00 Uhr, in die St. Christophorus-Kirche ein. Da die Plätze hierfür begrenzt sind, bitten wir um Ihre vorherige Anmeldung. Ein Anruf genügt: Tel.: 04881/937377.

Gründonnerstag
„Grün“ ist an diesem Tag eigentlich nichts.
Es hieß mal „Grein“- also „Wein-Donnerstag“. Es ist ja auch Karwoche und der Tag der Gefangennahme Jesu.
Aber während seine Feinde die Muskeln spannen und ihren angeblichen Triumph über ihn einleiten, sorgt Jesus für die Herzen und Seelen seiner Jüngerinnen und Jünger.

Für die Liebe, die Hoffnung und das Leben ist immer Platz bei ihm. 
Ungefähr fünfzig Männer und Frauen werden um ihn gewesen sein, darunter die zwölf Aposteljünger. Mit ihnen allen feiert er das Passah-Mahl.

Neben einem Lamm gibt es:
– ungesäuertes Brot und
– unvergorenen Weinsaft.
Diese beiden Gaben macht Jesus zum Liebesmahl seiner Kirche.

Die Andacht:
Stellen Sie sich folgendes beim Abendessen zusätzlich auf den Tisch: Ein wenig Brot, ein Glas Wein oder Saft. Zünden Sie sich eine Kerze an. Legen Sie ein paar grüne Zweige oder Blüten auf den Tisch.

Ein Gebet zum Anfang:
An diesem Tag, Jesus, hast Du uns Menschen mit Dir und Gott neu verbündet.
Du schenkst uns im Brot Deine ganze Lebenskraft und im roten Saft der Traube all Deine Liebe, aus der Gott spricht.

Wir haben keine Angst.
Wir sind nicht allein.
In Deinem Namen gehören wir alle zusammen.
Amen.

Die Liebesgabe
Wir nehmen uns vom Brot oder geben es einander in die Hand.
Wir lesen:
In der Nacht in der Jesus verraten wurde, nahm er das Brot, er dankte Gott dafür und brach es und gab es seinen Jüngerinnen und Jüngern. Er sagte: Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Wann immer ihr so Brot brecht, erinnert euch an mich.

Wir nehmen den Rebensaft.
Wir lesen:
Danach nahm Jesus auch den Wein, dankte dafür und gab ihn den anderen. Er sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für Euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Wann immer ihr so davon trinkt, erinnert euch an mich.

Dankgebet:
Herr Jesus Christus, es ist die reine Liebe, die Du uns schenkst.
Liebe ist der tiefste Grund dafür, dass wir leben, dass wir atmen, dass wir arbeiten und feiern können, in Frieden bei uns sein oder beieinander.
Wir nehmen Deine Liebe an und sagen Dir Danke.
Amen.

Vaterunser:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen;
denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 
Amen.

Segen, vielleicht mit gefassten Händen:
Dein Segen, Gott, komme auf uns und bleibe bei uns allezeit.
Amen.

Nun essen wir zuerst Brot und Wein, dann die übrigen Speisen auf dem Tisch.
Einen gesegneten Abend Ihnen und Euch allen!

Karfreitag:

Nach einer Nacht der Gefangennahme, der Verhöre und der Quälereien, in der Jesus ruhig alles ertragen hat und sich treu geblieben ist, geht er schließlich nach Golgatha, auf den Berg, auf dem man Leute hinrichtet. Alle anderen haben ihre Überheblichkeit und Rechthaberei und Boshaftigkeit zur Schau gestellt, mit anderen Worten: sie haben sich gründlich blamiert. Jesus, eigentlich ihr Opfer, hat sich als Einziger erkennbar seine Würde bewahrt.
Jesus lässt uns durch sein Leiden erkennen:
Man kann unter den Menschen in Not geraten, auch wenn man nichts dazu getan hat.
Auch ohne Schuld, unverdient, kann man Opfer der Meinungen und Vorur-teile oder einfach des Jähzorns und der Bosheit anderer werden.
Als Unschuldiger fragt Jesus uns Menschen nach der Treffsicherheit unserer Urteile.
Und sein Leiden mahnt: auch wer Fehler gemacht hat, verdient nicht das, was Menschen sich an Brutalität als Strafe ausdenken können.
Für alle Opfer steht er da und ergreift Partei für sie – für uns.

Die Andacht:
Wir folgen in Gedanken ein Stück dem Karfreitagsweg Jesu.
Stellen Sie sich eine Kerze auf und entzünden Sie sie, legen Sie eine Blüte oder sonst etwas Schönes bereit, außerdem 11 Kieselsteine, Knöpfe, Erbsen oder was Sie zur Hand haben. Wir legen sie nach und nach zu einem Kreuz auf unsern Tisch, 7 senkrecht und je 2 waagerecht rechts und links. Mit jedem Gedankenabschnitt, den wir fertig gelesen haben, legen wir einen Stein.

1 Wir lesen:
Durch einen Kuss markiert Judas, im Garten Gethsemane Jesus für die Tempelwächter, die ihn gefangen nehmen sollen. Der Kuss ist ernst gemeint. Judas liebt das, was er in Jesus sieht: den König, der sich mächtig und gewaltsam erhebt. Aber Jesus will dieser König nicht sein. Er lässt sich, auch in die Enge getrieben, nicht hinreißen zu Jähzorn und Gewalt. Er will ein König des Friedens sein.
Wir legen einen Stein.

2 Wir lesen:
All die falschen Zeugen vor dem Hohen Rat bringen gegen Jesus nichts zustan-de, doch auf die Frage des Hohepriesters, ob Jesus der Christus sei, der Sohn Gottes, antwortet er: „Ich bin es“. Das genügt schon für eine Verurteilung zum Tode. Die Wahrheit ist die Schuld, denn sie setzt die Mächtigen zurück.
Wir legen einen Stein.

3 Wir lesen:
Petrus ist mitgegangen. Er ist der Mutigste der Jünger, er will Jesus nicht allein lassen. Doch als man ihn erkennt als einen der Anhänger Jesu, erfasst ihn die Angst. Dreimal leugnet er, zu Jesus zu gehören. Die Angst ist größer als seine Überzeugung, doch auch das kann Jesus verzeihen und hat es schon getan.
Wir legen einen Stein.

4 Wir lesen:
Pilatus befragt Jesus, doch der beansprucht keine Macht, die mit den Römern konkurrieren wollte. Ein Reich, nicht von dieser Welt, ein König, aber sanftmütig – Pilatus erkennt keine Schuld an Jesus, aber er vermeidet den Freispruch, beugt sich der Wut der anderen, wäscht seine Hände in Unschuld. Keiner ist schuld hier, nur der Unschuldige selbst hat dafür zu büßen.
Wir legen einen Stein.

5 Wir lesen:
Das Volk wählt lieber Barrabas, den Pilatus losgeben soll. Einer der zupackt, der das Schwert schwingt, der glüht vor Groll, das versteht man, das möchte man selber leben. Jesus dagegen, einer der an Liebe glaubt, daran dass Worte das Leben heilen, sanftmütig und freundlich?
Wir legen einen Stein.

6 Wir lesen:
Eine Krone für den König, aber eine aus Dornen, ein Purpurmantel, aber nur geliehen, Spott und Schläge … Aber das, was Jesus ist, wird davon nicht unkenntlich. Es ist unverlierbar. Deshalb auch für uns: unverlierbar unsere Würde, unser Recht auf Leben und auf Unversehrtheit. Dafür steht er damals wie heute.
Wir legen einen Stein.

7 Wir lesen:
Der Weg durch die Stadt … hunderte von Gaffern … das Leiden wird zur Unterhaltung: „Gut, dass ich es nicht bin!“ So einsam ist dieser letzte Weg …
Wir legen einen Stein.

8 Wir lesen:
Kreuzigung. Jesus nimmt den Ysop, ein Schmerzmittel damals, nicht. Keine Betäubung! Obwohl Linderung gegen den Schmerz sicher willkommen wäre. Er will Zeugnis ablegen, er will seine Verlassenheit herausschreien, weil er sie von uns kennt: „Warum hast Du mich verlassen?“ Den Satz kennen wir, aber Jesus bettet ihn in sein Gott-Vertrauen ein.
Wir legen einen Stein.

9 Wir lesen:
„Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Die Menschen sind im Wahn. Den Größten machen sie nieder, damit sie selbst sich nicht so gering fühlen müssen. Den ohne Schuld machen sie zum Schuldigen damit sie vor sich selbst bestehen können so zwielichtig wie ihr Leben ist. Und er verzeiht.
Wir legen einen Stein.

10 Wir lesen:
Als nichts mehr trägt, trägt dies: „Vater, Deinen Händen vertraue ich meinen Geist an.“ Die letzte Wahrheit bleibt, dass Gott zu uns steht, dass er zu helfen weiß, auch wenn das Leben keinen Halt mehr kennt für uns. In Gottes Händen aber haben wir keine Angst mehr, tragen kein Leid.
Wir legen einen Stein.

11 Wir lesen:
„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ Ein Ungläubiger sagt diesen Satz, einer, dessen Blick nicht durch ein Vorurteil verstellt ist.
Wenn wir Jesus verstehen wollen, müssen wir nur hinsehen mit dem Herzen.
Wir legen einen Stein.

Gebet:
Gott, an Deinem Sohn, Jesus Christus, hast Du uns erkennen lassen, was unser Menschsein wirklich ist.
Dass unsere Würde nicht aus Äußerlichkeiten kommt, sondern aus unserem Herzen.
Dass wir auf Dich bezogen das Leben haben.
Er, der unschuldig litt, hat allen Bezichtigungen die Macht genommen. Nichts trennt uns von Deiner Gnade. Wir danken Dir, dass du uns zu solchem Vertrauen erlöst, und wir bitten Dich, hilf uns, aus der Wahrheit Deiner Liebe zu leben.
Amen

Wir legen zum Kreuz eine Blüte.

Vaterunser

Segen, vielleicht mit gefassten Händen:
Dein Segen, Gott, komme auf uns und bleibe bei uns allezeit. Amen.

Einen gesegneten Tag Ihnen und Euch allen!

Herzliche Grüße, auch im Namen des Kirchengemeinderats,
Ihr
Ch. Sassenhagen

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