Osterbrief

Jesus Christus spricht: Siehe ich lebe, und ihr sollt auch leben.

Ein Osterbrief

Liebe Leserin, lieber Leser, immer noch braucht es unsere Geduld, viel zu viel davon für manchen, um diese Zeit zu bestehen. Manche von Ihnen sind inzwischen hoffentlich geimpft, und da wird eine große Sorge von Ihnen abgefallen sein.

Aber: Wir sitzen alle im selben Boot und müssen gemeinsam durch die stürmische See, weiter Masken tragen also, weiter nur Wenige treffen, weiter wir ohne „uns“- also ohne unsere regelmäßigen Treffen in Gottesdiensten und Veranstaltungen der Kirchengemeinde.

Ich hatte seit Anfang des Jahres meinen persönlichen Lockdown, ich war krank und musste mich etlichen Behandlungen und heilsamen Übungen zu Hause unterziehen. Erst in diesen Tagen geht es besser. In dieser Zeit hat mir vieles gefehlt: Nicht tun zu dürfen, was ich sonst tue, nicht in Kontakt zu sein mit Menschen – mit Ihnen allen, nicht denken zu können nach schlaflosen Nächten, keine Worte zu haben und zu sagen…

Harry Rowohld, von Bühnen und Fernsehen manchem bekannt und inzwischen leider verstorben, erzählte einmal von seinen liebgewonnenen Gewohnheiten und Genüssen, und wie seine Krankheit all das nicht mehr zuließ: „Dahin, dahin…“ Das waren seine abschließenden Worte dazu. Antwort aus einem unserer Osterlieder auf solche Erfahrung: „Was euch quält, was euch fehlt, ich bring alles wieder.“ Was auch immer für uns „dahin“ ist, was zu wehmütiger Erinnerung wurde, die manchmal mehr quält als tröstet, – Ostern sagt uns, dass all das uns irgendwann wieder ganz gehören wird! Gott, bei dem nichts von unserer Lebensgeschichte verloren geht, will es so.

Kaum vorstellbar, werden Sie sagen, dass Kindheits- und Jugendfreunde, die der Lauf des Lebens auf weit entfernte Wege geführt hat, uns dann wieder gehören sollen. Kaum vorstellbar, dass unsere jugendlichen Träume vom Leben vor Gott einst ins Recht gesetzt werden. Kaum denkbar, dass wir das volle Herz eines jungen Vaters, einer jungen Mutter wieder in uns spüren werden, dort, wenn wir heimgekommen sind zu Gott, oder anderes, das einst unser Glück war…

Doch genau das ist gemeint: alle Tränen abgewischt, der Mund überquellend von Lachen, wir wie auf Flügeln des Adlers. Das dürfen wir erwarten von unserem ganz persönlichen Ostern, wenn sich die Weite der Liebe Gottes für uns öffnet. Dann schwinden die Nebel, die Nächte weichen und ein neuer, heilvoller Tag ist da… und bleibt uns ewig.

Denken Sie, liebe Damen und Herren, Ostergedanken! Denken Sie alle guten Erinnerungen als Ihr persönliches Eigentum! Seien Sie zuhause nicht nur in Ihrer Gegenwart, sondern in Ihrer ganzen erinnerns- und erzählenswerten Geschichte! Feiern Sie so Ostern, und lassen Sie sich segnen dazu von dem Auferstandenen!

Wenn am Ostermorgen unsere Glocken zum Gottes-dienst läuten, wenn Roland Torrau vom Turm die Trompete erschallen lässt, dann meint das auch Sie, die Sie vielleicht nicht zum Gottesdienst kommen, aber doch in Gedanken diese Stunde mit uns begehen.

Ich jedenfalls werde Sie fest mit einschließen in meine Gedanken und mich daran freuen, dass wir nach wie vor zusammen gehören.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes und frohes Osterfest und freudvolle, frühlingshafte, aufbrechende Gedanken.

Herzliche Grüße!
Ihr
Christoph Sassenhagen